Positionsänderung im OP – 5-Schritte-Algorithmus für sichere Patientenlagerung
Physikalisches Grundprinzip der Patientenlagerung

Schwerkraft und Druck bei der OP-Lagerung

Schwerkraft und Druck bei der OP-Lagerung sind grundlegende Faktoren innerhalb der OP-Lagerungsarten und beeinflussen Bewegungsrichtung, Rutschtendenz, Druckverteilung und Patientensicherung. Die folgenden Darstellungen zeigen diese grundlegenden Zusammenhänge vereinfacht und praxisnah.

01 · OP-Tischmodell

Wohin entsteht bei einer Tischneigung die mögliche Rutschtendenz?

Wählen Sie eine Tischposition. Die Darstellung zeigt die tiefer liegende Seite und die daraus entstehende mögliche Bewegungs- beziehungsweise Rutschtendenz. Technische Grundlagen zu OP-Tischen und Lagerungshilfen werden separat erklärt.

Waagerechte Position Keine durch eine Längsneigung des OP-Tisches verursachte Rutschtendenz.
Trendelenburg Das Kopfende liegt tiefer. Dadurch entsteht eine mögliche Bewegungs- beziehungsweise Rutschtendenz in Richtung Kopfende.
Antitrendelenburg Das Fussende liegt tiefer. Dadurch entsteht eine mögliche Bewegungs- beziehungsweise Rutschtendenz in Richtung Fussende.
1 Tiefere Seite erkennen Welche Seite des OP-Tisches liegt nach der geplanten Neigung tiefer?
2 Bewegung vorausdenken In welche Richtung könnte der Patient durch die Positionsänderung tendieren?
3 Sicherung vorausplanen Vor der Bewegung prüfen, ob Lagerung und Sicherung der geplanten Position entsprechen.
4 Position kontrollieren Nach der Bewegung Lagerung, Druckpunkte, Stabilität und OP-Zugang erneut überprüfen.
02 · Positionsänderung im OP

Erst kommunizieren – dann kontrolliert bewegen

Eine relevante Veränderung der Patienten- oder Tischposition kann Kreislauf, Blutdruck, Atmung, Zugänge, Leitungen, Lagerungshilfen, Druckpunkte und Geräte gleichzeitig beeinflussen. Deshalb wird die Bewegung als koordinierter Teamprozess betrachtet.

1 Änderung ankündigen Zielposition und Bewegungsrichtung klar benennen.
2 Anästhesie bereit? Bereitschaft eindeutig bestätigen lassen.
3 Gemeinsam bewegen Langsam, koordiniert und kontrolliert positionieren.
4 Reaktion beurteilen Kreislauf, Blutdruck, Atmung und Monitoring beurteilen.
5 Lagerung kontrollieren Sicherung, Leitungen, Extremitäten und Druckpunkte prüfen.
OPHION-Merksatz: Keine relevante Positionsänderung ohne Ankündigung, bestätigte Bereitschaft, koordinierte Bewegung und anschliessende Kontrolle.

Warum kommunizieren?

Eine Tisch- oder Positionsänderung kann gleichzeitig mehrere Arbeitsbereiche betreffen. Vor der Bewegung muss deshalb klar sein, dass Anästhesie und OP-Team bereit sind und relevante Zugänge, Leitungen, Fixierungen und Geräte mitgeführt beziehungsweise kontrolliert werden können.

OPHION-Praxisprinzip: Relevante Positionsänderungen werden nicht isoliert betrachtet. Nach jeder Bewegung wird die neue Lagerungssituation erneut beurteilt.
03 · Druckverteilung

Gleiche Belastung – unterschiedliche Kontaktfläche

Wird eine Belastung auf eine kleine Fläche konzentriert, entsteht dort eine stärkere lokale Druckbelastung. Dieses Prinzip ist für jede Rückenlage, Seitenlage und Bauchlage relevant. Eine geeignete Auflage kann die Kontaktfläche vergrössern und die Belastung besser verteilen.

Kleine Kontaktfläche

Die Belastung konzentriert sich auf einen begrenzten Bereich, beispielsweise im Bereich einer knöchernen Prominenz.

kleine Fläche → stärkere lokale Belastung

Grössere Kontaktfläche

Eine geeignete und anpassungsfähige Auflage kann die Belastung über einen grösseren Bereich verteilen.

grössere Fläche → bessere Druckverteilung
OPHION-Merksatz Schwerkraft beeinflusst die mögliche Bewegungsrichtung. Tischneigung verändert die Rutschtendenz. Auflagefläche, Unterlage und Sicherung beeinflussen Druckverteilung und Stabilität der Patientenlagerung.
Fachlicher Hinweis: Die Darstellungen zeigen vereinfachte physikalische Grundprinzipien der Patientenlagerung und dienen der visuellen Orientierung. Die konkrete Lagerung und Sicherung richtet sich nach Patient, Eingriff, verwendeter Ausstattung, Herstellerangaben, institutionellen Vorgaben und den Entscheidungen des zuständigen Fachteams.

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