OP-Lagerungsarten · Bauchlage · Prone Position

Bauchlage im OP – sichere Prone Position von Kopf bis Fuss

Die Bauchlage im OP, auch Prone Position, ist eine eigenständige Grundposition innerhalb der OP-Lagerungsarten . Sie ermöglicht insbesondere dorsale und posteriore operative Zugänge. Entscheidend sind ein kontrollierter Positionswechsel, ein gesicherter Atemweg, vollständig von direktem Druck freie Augen, eine möglichst achsgerechte Kopf- und HWS-Position, sichere Arm- und Schulterlagerung, eine stabile Thorax- und Beckenunterstützung, möglichst geringe unnötige Abdominalkompression sowie der Schutz aller ventralen Druck- und Kontaktstellen.

Bauchlage im OP – kurz erklärt

Der Patient wird aus einer sicheren Ausgangsposition koordiniert in die Bauchlage gedreht. Thorax und Becken werden entsprechend dem verwendeten Lagerungssystem stabil und druckverteilend unterstützt. Besonders kontrolliert werden Atemweg, Augen, Gesicht, Kopf/HWS, Schulter und Plexus brachialis, Ellenbogen, Thorax, Brust, Abdomen, Becken, Genitalbereich, Knie, Unterschenkel und Füsse. Nach der Drehung erfolgt eine vollständige Neu-Kontrolle.

Bauchlage im OP – Prone Position auf einem Operationstisch mit OPHION Patientenlagerung
OPHION · Bauchlage

Bauchlage visuell verstehen

Die Abbildung zeigt eine operative Bauchlage. Die konkrete Ausführung richtet sich nach Patient, Eingriff, Operationsgebiet, Anästhesie, Bildgebung, OP-Tisch und verwendetem Lagerungssystem.

00 · Vorbereitung

Sichere Bauchlage beginnt vor der Drehung

Vor dem Positionswechsel müssen Eingriff, OP-Tisch, Kopfpositionierung, Thorax- und Beckenunterstützung, Armauflagen, Bein- und Fusspolster sowie alle notwendigen technischen Hilfsmittel vorbereitet sein. Zusätzlich werden patientenspezifische Einschränkungen von HWS, Schulter, Wirbelsäule, Hüfte und Extremitäten berücksichtigt. Die benötigten OP-Tische und Lagerungshilfen werden vor der Drehung vollständig vorbereitet.

Eingriff → Patient → Atemweg + Zugänge → Tisch + Hilfsmittel → Team-Briefing → kontrolliert drehen → neu ausrichten → Ganzkörperkontrolle
1
Eingriff verstehen Welche dorsale Region muss operativ zugänglich sein?
2
Patient beurteilen HWS, Schulterbeweglichkeit, Wirbelsäule, Gelenke, Haut, neurologische und vaskuläre Risiken berücksichtigen.
3
Atemweg + Leitungen planen Tubus, Beatmungssystem, Zugänge, Drainagen und Katheter vor der Drehung sichern.
4
Druckpunkte vorausdenken Gesicht, Schultergürtel, Thorax, Becken, Genitalregion, Knie, Tibia und Füsse berücksichtigen.
01 · Definition

Was ist die Bauchlage im OP?

Ventrale Körperseite orientiert zum OP-Tisch

Die Bauchlage ist eine eigenständige operative Grundposition. Der Körper wird entsprechend dem verwendeten Tisch- und Lagerungssystem über geeignete Kontaktflächen unterstützt. Ziel ist ein stabiler dorsaler Operationszugang bei möglichst physiologischer Körperausrichtung und möglichst geringer unnötiger Kompression empfindlicher ventraler Strukturen.

02 · Drehung

Der Positionswechsel ist ein eigener kritischer Arbeitsschritt

Die operative Bauchlage wird häufig aus der Rückenlage hergestellt. Vor Beginn werden Drehrichtung, Aufgabenverteilung und Führung von Kopf/Atemweg, Extremitäten und Leitungen im Team abgestimmt.

RL → koordinierte Drehung → BL → Neu-Kontrolle
Ausgangslage Patient, Atemweg und Zugänge vorbereitet.
Team-Briefing Drehrichtung, Aufgaben und Kommando festlegen.
Kontrolliert drehen Kopf, Atemweg, Arme, Leitungen und Körperachse mitführen.
Bauchlage Neu ausrichten und vollständige Kontrolle durchführen.
Nach jeder Drehung beginnt die Lagerungskontrolle neu

Eine korrekte Ausgangslage garantiert keine korrekte Bauchlage. Nach dem Positionswechsel müssen Atemweg, Beatmungssystem, Zugänge, Kopf, Augen, Gesicht, Schulter, Arme, Thorax, Abdomen, Becken, Brust beziehungsweise Genitalregion, Knie, Unterschenkel, Füsse und Fixierungen erneut überprüft werden.

Dorsalen Zugang schaffen – ventrale Strukturen schützen

Eine gute Bauchlage verbindet sicheren operativen Zugang mit kontrollierter Druckverteilung. Der dorsale Zugang darf nicht durch vermeidbare ventrale Kompression erkauft werden.

OP-Zugang Rücken, Wirbelsäule, dorsale Schädelregion, Gesäss oder andere posteriore Regionen zugänglich machen.
Gewicht verteilen Thorax und Becken entsprechend dem Lagerungssystem grossflächig und stabil unterstützen.
Ventrale Strukturen schützen Augen, Brust, Abdomen, Genitalregion, Knie und Füsse vor unnötiger Druckbelastung schützen.
drehen → ausrichten → Thorax + Becken unterstützen → ventrale Strukturen entlasten → OP-Zugang prüfen
03 · Thorax & Becken

Thorax und Becken stabil unterstützen – Abdomen nicht unnötig komprimieren

Die genaue Auflage hängt vom verwendeten Tisch- und Lagerungssystem ab. Ziel ist eine stabile, symmetrische Unterstützung mit ausreichender Druckverteilung. Gleichzeitig soll eine unnötige externe Kompression von Thorax und Abdomen vermieden werden.

Thorax

  • Symmetrisch und druckverteilend unterstützen.
  • Keine harte Einzelkante unter Sternum oder Rippen.
  • Thoraxbewegung nicht unnötig einschränken.
  • Schultergürtel ohne fokalen Druck positionieren.
  • Brustgewebe anatomisch positionieren und fokale Kompression vermeiden.

Becken

  • Symmetrisch und stabil unterstützen.
  • Spinae iliacae anteriores und Beckenkämme auf lokale Druckspitzen kontrollieren.
  • Leistenregion frei von harter Kante oder Leitung halten.
  • Genitalregion nach der Drehung gezielt kontrollieren.
  • Position so wählen, dass das Abdomen nicht unnötig komprimiert wird.
04 · Kopf · Gesicht · Augen

Augen konsequent frei von direktem Druck halten

Kopf und Gesicht gehören zu den kritischsten Bereichen der Bauchlage. Die Kopfpositionierung muss den Atemweg sichern, eine möglichst achsgerechte HWS ermöglichen und insbesondere verhindern, dass direkter mechanischer Druck auf einen Bulbus entsteht.

Besonders wichtig

Augen · Gesicht · HWS

Direkter Augendruck muss ausgeschlossen werden. Augenschutz umfasst jedoch mehr als die reine Kontaktkontrolle: okuläre und systemische Perfusionsbedingungen werden im Rahmen der Anästhesie mitbeurteilt.

Augen Kein direkter Kontakt mit Kopfauflage, Polster, Maske oder anderem Zubehör.
Stirn / Jochbein / Kinn Kontaktflächen gleichmässig und druckverteilend positionieren.
Nase / Mund Keine Kompression; Tubus und Beatmungssystem ohne Zug oder Knick.
HWS Möglichst achsgerecht und ohne unnötige Rotation, Flexion oder Extension.
Augen nicht nur einmal kontrollieren

Kopf, Kopfauflage oder Gesichtskontakt können sich durch Tischbewegung, OP-Manipulation, Lagerungsveränderung oder lange Operationsdauer verändern. Deshalb müssen Augen und Gesicht nach relevanten Positionsänderungen und im intraoperativen Verlauf erneut kontrolliert werden.

05 · Arme · Schulter · Plexus

Beide Arme vollständig unterstützen und Plexuszug vermeiden

Je nach Eingriff und Tischsystem können die Arme am Körper angelagert oder auf Armauflagen in einer sogenannten Surrender-/Superman-ähnlichen Position gelagert werden. Entscheidend sind begrenzte Schulterabduktion, keine kaudale Schultertraktion, druckarme Ellenbogenlagerung und eine insgesamt spannungsarme Linie von Kopf über Schulter bis zum Arm.

Arme ausgelagert

  • Beide Arme vollständig auf gepolsterten Armauflagen unterstützen.
  • Schulterabduktion möglichst unter 90° halten.
  • Oberarm leicht ventral der reinen Schulterquerachse positionieren.
  • Schulter nicht nach kaudal ziehen.
  • Ellenbogen leicht flektiert und ohne fokalen Druck lagern.
  • N. ulnaris am medialen Ellenbogen schützen.
  • Handgelenke möglichst neutral und Hände vollständig unterstützt.

Arme angelagert

  • Arme vollständig innerhalb der sicheren Tischkontur positionieren.
  • Schulter, Oberarm und Ellenbogen frei von harter Kantenkompression.
  • Hände und Finger nicht unter Patient oder Tisch einklemmen.
  • Keine Leitungen, Kabel oder Schläuche unter dem Arm.
  • Arme während Drehung kontrolliert mitführen.
Plexus brachialis immer als Kopf–Schulter–Arm-System beurteilen

Das Plexusrisiko entsteht nicht nur durch einen einzelnen Winkel. Relevant ist die Kombination aus Schulterabduktion, Schulterdepression beziehungsweise Traktion, Armrotation sowie Kopf- und HWS-Position. Deshalb immer die gesamte Linie Kopf → Hals → Schulter → Oberarm kontrollieren.

06 · Abdomen · Brust · Genitalregion

Abdominale Kompression möglichst reduzieren

Ausgeprägte externe Kompression des Abdomens kann den intraabdominellen Druck erhöhen und dadurch venösen Rückstrom, Atemmechanik und bei Wirbelsäulenoperationen auch venöse Blutung beeinflussen. Je nach Lagerungssystem werden Thorax und Becken deshalb so unterstützt, dass das Abdomen möglichst ohne unnötige externe Kompression positioniert ist.

Abdomen Keine vermeidbare fokale oder flächige Kompression.
Brust Anatomisch ausrichten und Faltung beziehungsweise punktuelle Kompression vermeiden.
Genitalregion Nach der Drehung gezielt kontrollieren und Einklemmung ausschliessen.
Leiste / ASIS Keine harte Beckenkante, Leitung oder fokale Druckstelle.
07 · Beine & Füsse

Knie, Tibia, Sprunggelenke und Füsse kontrollieren

In Bauchlage entstehen ventrale Kontaktstellen an den unteren Extremitäten. Besonders relevant sind Patella, ventrale Tibia, Sprunggelenke, Fussrücken und Zehen. Die konkrete Unterstützung richtet sich nach Patient, Tischsystem und Eingriff.

Knie / Patella Grossflächig polstern und fokalen ventralen Druck vermeiden.
Tibia Prominente ventrale Tibiakante nicht auf harter Fläche aufliegen lassen.
Sprunggelenk Extreme oder dauerhaft erzwungene Stellung vermeiden.
Fussrücken / Zehen Frei von fokalem Druck halten und passend unterstützen.
08 · Gefährdete Strukturen · OPHION-Schutzalgorithmus

Patientenschutz nach vollständiger Veränderung der Auflageflächen

Mit der Drehung verändern sich die belasteten Körperregionen vollständig. Besonders relevant sind Augen und Gesicht, Atemweg, Plexus brachialis, N. ulnaris, Thorax, Abdomen, Becken, ventrale Weichteile, Knie und Füsse.

Haut Druck · Scherung · Reibung · Feuchtigkeit
Weichteile Druck · Kompression · Dehnung
Nerven Kompression · Zug · Überdehnung
Gefässe / Perfusion Kompression · Stauung · Perfusionsminderung
Gelenke Rotation · Abduktion · Fehlstellung
Der OPHION-Schutzalgorithmus
1
ERKENNEN Welche Struktur ist jetzt gefährdet? Kontaktstellen, Nerven, Gefässe, Gelenke, Augen und Atemweg systematisch beurteilen.
2
EINORDNEN Welcher Mechanismus wirkt? Druck, Zug, Kompression, Scherung, Stauung, Rotation oder Fehlstellung?
3
SCHÜTZEN Welche Massnahme reduziert das Risiko? Druck entlasten, Auflage korrigieren, Kopf ausrichten, Armposition verändern, Abdomen entlasten oder Polster/Fixierung anpassen.
4
KONTROLLIEREN Bleibt die Schutzwirkung erhalten? Augen, Gesicht, Arme, Druckpunkte, Leitungen und Fixierungen nach Positionsänderungen und im Verlauf erneut prüfen.
Struktur → Mechanismus → Schutzmassnahme → Kontrolle
09 · Gefährdete Strukturen im Detail

Bauchlage von Kopf bis Fuss analysieren

Das individuelle Risiko hängt von Anatomie, Operationsdauer, Körpergewicht, Begleiterkrankungen, Kreislaufsituation, Lagerungssystem und konkretem Eingriff ab. Die Tabelle beschreibt typische Risikoregionen – nicht eine vollständige Liste aller möglichen Lagerungskomplikationen.

Gefährdete anatomische Strukturen, Mechanismen und Schutzmassnahmen bei der Bauchlage im OP
Struktur / Region Gefährdet Gefahrenmechanismus Schutzmassnahme Wirkprinzip
Augen Auge Perfusion Direkter mechanischer Druck auf den Bulbus; zusätzlich können ungünstige okuläre Perfusionsbedingungen eine Rolle spielen. Direkten Augendruck konsequent ausschliessen. Kopfauflage nach Drehung und relevanter Positionsänderung kontrollieren. Systemische Perfusionsfaktoren werden anästhesiologisch beurteilt. Vermeidet mechanische Bulbuskompression und trennt Lagerungsschutz von systemischer Perfusionskontrolle.
Stirn / Jochbein / Kinn Haut Weichteile Langanhaltender lokaler Druck durch die Kopfauflage. Geeignete Kopfauflage verwenden und vorgesehene Kontaktflächen gleichmässig belasten. Grössere und geeignete Kontaktflächen reduzieren lokale Druckspitzen.
Nase / Lippen / Mund Haut Schleimhaut Druck durch Kopfauflage, Tubus, Schlauch oder Fixierung. Gesichtskontakt kontrollieren und Atemwegsmaterial ohne fokalen Druck führen. Reduziert lokale Haut- und Schleimhautkompression.
Ohr Haut Knorpel Faltung, Abknickung oder Druck zwischen Kopf und Lagerungshilfe. Ohr entfalten und frei von fokalem Druck positionieren. Reduziert Haut- und Knorpelkompression.
HWS Gelenke Muskeln Nerven Ausgeprägte Rotation, Flexion oder Extension. Kopf möglichst achsgerecht und abgestimmt auf Schulter- und Armposition lagern. Reduziert Gelenkbelastung, Muskelspannung und unnötigen Nervenzug.
Schulter / Plexusregion Plexus brachialis Kombination aus Schulterabduktion, Schulterdepression, Armrotation und ungünstiger Kopf-/HWS-Position. Schulterabduktion begrenzen, Arm vollständig unterstützen, Schulterzug vermeiden und Kopf/HWS achsgerecht positionieren. Reduziert mechanische Zug- und Kompressionsbelastung des Plexus brachialis.
Ellenbogen N. ulnaris Haut Fokaler Druck am medialen Ellenbogen. Ellenbogen grossflächig polstern und auf harte Kanten kontrollieren. Vermeidet lokale Kompression des oberflächlich verlaufenden Nervs.
Unterarm / Hand / Finger Nerven Gefässe Gelenke Einklemmung, ungünstige Gelenkstellung oder Druck durch Zubehör. Extremität vollständig unterstützen, Handgelenk möglichst neutral und Finger frei von Einklemmung halten. Reduziert Druck, Zug und lokale Gefässkompression.
Sternum / Rippen / Thorax Haut Weichteile Atmung Zu hoher, asymmetrischer oder punktueller Druck durch Thoraxunterstützung. Thorax symmetrisch und grossflächig unterstützen. Harte Kanten vermeiden. Verteilt Körpergewicht und reduziert unnötige Einschränkung der Thoraxmechanik.
Brust / Mamillen Haut Weichteile Faltung, Einklemmung oder fokale Kompression zwischen Körper und Lagerungshilfe. Brustgewebe anatomisch positionieren und fokale Druckstellen ausschliessen. Reduziert Weichteilkompression und lokale Druckspitzen.
Abdomen Atmung Gefässe Weichteile Ausgeprägte externe Kompression kann den intraabdominellen Druck erhöhen und venösen Rückstrom, Atemmechanik sowie venöse Kongestion beeinflussen. Lagerungssystem so einsetzen, dass unnötige Abdominalkompression möglichst vermieden wird. Reduziert intraabdominelle Druckbelastung und venöse Kongestion.
ASIS / vorderer Beckenkamm Haut Weichteile Fokaler Druck durch Beckenunterstützung. Auflagefläche gross genug wählen und harte Kanten vermeiden. Reduziert lokale Druckspitzen an knöchernen Prominenzen.
ASIS / Leistenbandregion N. cutaneus femoris lateralis Fokale Kompression nahe der Spina iliaca anterior superior beziehungsweise am Leistenband. Keine harte Beckenkante oder punktuelle Druckauflage über dieser Region. Reduziert lokale Nervenkompression.
Genitalregion Haut Weichteile Gefässe Einklemmung oder direkter Druck nach der Drehung. Nach endgültiger Positionierung gezielt kontrollieren und Kompression ausschliessen. Schützt empfindliche Weichteil- und Gefässstrukturen.
Knie / Patella Haut Weichteile Gelenk Direkter ventraler Druck über Patella und Knie. Knie druckverteilend und weich unterstützen. Reduziert fokalen Druck auf Patella und periartikuläre Gewebe.
Tibiakante Haut Weichteile Längere direkte Belastung der prominenten ventralen Tibia. Unterschenkel druckverteilend lagern und harte Unterlage vermeiden. Reduziert lokale Druckspitzen.
Fussrücken / Zehen Haut Gelenke Nerven Direkter Druck oder dauerhaft extreme Sprunggelenkstellung. Fussposition individuell anpassen und Zehen/Fussrücken frei von fokalem Druck halten. Reduziert Druck und unnötige Gelenk- beziehungsweise Nervenbelastung.
Gurte / Fixierungen Haut Nerven Gefässe Zu hohe Spannung, schmale Kontaktfläche oder Verschiebung nach Tischbewegung. Breit, gepolstert und nicht einschnürend fixieren. Nach relevanter Tischbewegung erneut prüfen. Stabilisiert, ohne unnötige lokale Kompression.
10 · Atmung · Kreislauf · Perfusion

Bauchlage verändert respiratorische und hämodynamische Bedingungen

Die physiologische Wirkung hängt von Patient, Anästhesie, Thorax- und Beckenunterstützung sowie dem Ausmass der Abdominalkompression ab. Unnötige Kompression von Thorax oder Abdomen kann respiratorische Mechanik und venösen Rückstrom beeinflussen. Die klinische Beurteilung von Ventilation, Hämodynamik und systemischer beziehungsweise okulärer Perfusion liegt bei der Anästhesie.

Thorax Stabil unterstützen, ohne unnötige Einschränkung der Thoraxbewegung.
Abdomen Unnötige externe Kompression möglichst vermeiden.
Kopf / Augen Direkten Augendruck vermeiden; Kopfposition und venöse Stauung mitdenken.
Anästhesie Beatmung und Kreislauf nach dem Positionswechsel neu beurteilen.
Zusatzmodifikation

Bauchlage und Tischneigung sind getrennte Lagerungsschritte

Eine Tischneigung gehört nicht automatisch zur Definition der Bauchlage. Je nach Patient und Eingriff kann eine Kopf-hoch-Position sinnvoll sein. Die konkrete Neigung wird mit Anästhesie und Operateur abgestimmt. Dabei verändern sich Schwerkraft, Rutschtendenz, Scherkräfte und Druckverteilung .

Jede Tischbewegung verändert Kontakt- und Druckverhältnisse

Nach relevanter Tischneigung, Flexion oder Höhenverstellung müssen insbesondere Kopfauflage, Augen, Schulter/Arme, Thorax, Becken, Knie, Füsse und Fixierungen erneut kontrolliert werden.

11 · Einsatzgebiete

Bei welchen Operationen wird die Bauchlage verwendet?

Die Bauchlage wird eingesetzt, wenn ein dorsaler beziehungsweise posteriorer Zugang erforderlich ist. Die konkrete Ausführung hängt vom Eingriff und vom Fachgebiet ab.

Wirbelsäulenchirurgie Häufige Grundposition für dorsale Wirbelsäulenzugänge.
Neurochirurgie Bei ausgewählten posterioren kranialen oder spinalen Zugängen.
Plastische Chirurgie Bei Eingriffen an Rücken, Gesäss oder anderen dorsalen Regionen.
Allgemeinchirurgie Bei ausgewählten posterioren beziehungsweise perianalen Zugängen.
Orthopädie / Traumatologie Je nach Region und notwendigem dorsalen Zugang.
Weitere Eingriffe Entscheidend ist der benötigte dorsale operative Zugang.
Spezielle Ableitung

Von der Bauchlage zur Knie-Ellenbogen- beziehungsweise Heidelberglagerung

Im OPHION-System wird die Knie-Ellenbogen- beziehungsweise Heidelberglagerung als spezielle Modifikation der Bauchlage dargestellt. Dabei verändern sich insbesondere Hüft- und Knieposition, Beckenhöhe, Druckverteilung und Perfusionsverhältnisse. Sie besitzt deshalb eine eigene Lagerungs- und Risikologik.

BL → zusätzliche Hüft-/Knieflexion → Speziallagerung
Bauchlage Basisposition mit dorsalem Zugang.
Hüftposition ändern Rumpf-Becken-Winkel wird gezielt verändert.
Knieposition ändern Untere Extremitäten werden neu unterstützt.
Heidelberg / Knie-Ellenbogen Separate Spezialposition mit eigener Risikobeurteilung.
13 · Endkontrolle

OPHION Bauchlage-Check

Die Ganzkörperkontrolle erfolgt nach vollständiger Drehung, endgültiger Kopf- und Armposition sowie definitiver Einstellung von Tisch und Lagerungshilfen. Relevante Bereiche werden nach Positionsänderungen und abhängig von Eingriffsdauer erneut beurteilt.

Atemweg → Augen → Gesicht → HWS → Schulter/Plexus → Arme → Ellenbogen → Hände → Thorax → Brust → Abdomen → Becken/ASIS → Genitalregion → Knie → Tibia → Sprunggelenke → Füsse → Fixierung → OP-Zugang
Atemweg Tubus, Schlauchsystem und Zugänge sicher und ohne Zug/Knick?
Augen / Gesicht Beide Augen ohne direkten Druck; Nase, Lippen und Ohr frei?
Kopf / HWS Möglichst achsgerecht und ohne unnötige Rotation?
Schulter / Plexus / Arme Keine unnötige Abduktion, Schulterdepression oder Plexusspannung?
Thorax / Brust Symmetrisch unterstützt, keine harte Kante oder fokale Weichteilkompression?
Abdomen / Becken Keine unnötige Abdominalkompression; ASIS/Beckenkamm druckarm?
Genitalregion / Beine / Füsse Keine Einklemmung; Knie, Tibia und Füsse druckarm?
Fixierung / OP-Zugang Patient stabil, Fixierungen nicht einschnürend und Operationsgebiet zugänglich?

OPHION-Merksatz

vorbereiten → Atemweg + Leitungen sichern → Team koordinieren → kontrolliert drehen → Atemweg erneut prüfen → Augen vollständig druckfrei → Kopf/HWS ausrichten → Schulter + Arme schützen → Thorax + Becken unterstützen → Abdomen nicht unnötig komprimieren → Brust + Genitalregion kontrollieren → Knie + Tibia + Füsse schützen → Fixierungen prüfen → OP-Zugang → erneut kontrollieren

Der Kern der Bauchlage ist nicht nur „Patient liegt auf dem Bauch“ , sondern: einen stabilen dorsalen Operationszugang schaffen, während Atemweg, Augen, Plexus brachialis, ventrale Weichteile, Abdomen, Becken und Extremitäten systematisch vor vermeidbarer Druck-, Zug- und Kompressionsbelastung geschützt werden.

OPHION Patientenschutz
1
ERKENNEN Welche Struktur ist nach der Drehung gefährdet oder belastet?
2
EINORDNEN Druck, Zug, Kompression, Scherung, Stauung oder Fehlstellung?
3
SCHÜTZEN Kopf, Armposition, Auflage, Polsterung, Tisch oder Fixierung gezielt korrigieren.
4
KONTROLLIEREN Schutzwirkung nach Drehung, Tischverstellung und im intraoperativen Verlauf erneut prüfen.
Fachliche Grundlage

Weiterbildung, OP-Praxis und Fachliteratur

Die Inhalte von OPHION entstehen aus der Verbindung von fachlicher Weiterbildung, mehrjähriger intensiver praktischer Erfahrung in der Operationslagerung und der kontinuierlichen Auswertung einschlägiger Fachliteratur.

Fachliche Weiterbildung Fachkurs Operationslagerung bei HOCH Health Ostschweiz / Kantonsspital St.Gallen, Standort St.Gallen.
Praktische Erfahrung Rund 7 Jahre intensive praktische Tätigkeit im Operationsbereich eines Kantonsspitals mit Schwerpunkt Patientenlagerung, OP-Tischtechnik und perioperative Abläufe.
Fachliche Quellenbasis Fachliteratur und Schulungsunterlagen zur Operationslagerung, aktuelle medizinische Fachquellen sowie lokale Standards, SOPs und Herstellerangaben.

Häufige Fragen zur Bauchlage im OP

Was ist die Bauchlage im OP?

Bei der Bauchlage ist die ventrale Körperseite zum Operationstisch orientiert. Sie wird insbesondere verwendet, wenn ein dorsaler beziehungsweise posteriorer Operationszugang erforderlich ist.

Warum sind die Augen in Bauchlage besonders wichtig?

Das Gesicht befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kopfauflage. Direkter mechanischer Druck auf einen Augapfel muss konsequent vermieden werden. Darüber hinaus hängt die okuläre Sicherheit auch von systemischen Perfusionsbedingungen ab, die durch die Anästhesie überwacht werden.

Warum soll das Abdomen möglichst wenig komprimiert werden?

Ausgeprägte Abdominalkompression kann den intraabdominellen Druck erhöhen und venösen Rückstrom, Atemmechanik und operative Bedingungen beeinflussen. Das Ziel ist deshalb nicht zwingend ein vollständig „frei hängendes“ Abdomen bei jedem System, sondern die Vermeidung unnötiger externer Abdominalkompression.

Welche Nerven sind in Bauchlage besonders relevant?

Besonders relevant sind der Plexus brachialis bei ausgelagerten Armen und der N. ulnaris am medialen Ellenbogen. Abhängig von der Beckenauflage kann ausserdem der N. cutaneus femoris lateralis in der Region der Spina iliaca anterior superior komprimiert werden.

Wie weit sollen die Arme in Bauchlage abduziert werden?

Unnötig grosse Schulterabduktion wird vermieden. Bei ausgelagerten Armen wird die Schulterabduktion üblicherweise unter 90° gehalten. Zusätzlich werden Schulterdepression, Armrotation, Ellenbogenstellung sowie Kopf- und HWS-Position gemeinsam beurteilt.

Warum reicht die Kontrolle der Arme allein nicht aus?

Der Plexus brachialis verbindet Hals- und Schulterregion mit dem Arm. Deshalb kann eine Kombination aus Kopfrotation, Schulterdepression und Armabduktion eine deutlich grössere Zugbelastung erzeugen als eine einzelne Armposition allein.

Welche Druckstellen sind in Bauchlage besonders wichtig?

Typische Kontrollregionen sind Gesicht, vordere Schulter-/Thoraxregion, Brust, Spinae iliacae anteriores beziehungsweise Beckenkämme, Genitalregion, Knie, ventrale Tibia, Fussrücken und Zehen. Zusätzlich müssen alle Kontaktstellen von Lagerungshilfen, Gurten und Leitungen berücksichtigt werden.

Muss ein bestimmtes Lagerungssystem verwendet werden?

Nein. Die konkrete Technik richtet sich nach OP-Tisch, Patient, Eingriff und verwendetem System. Entscheidend sind stabile Körperausrichtung, geeignete Druckverteilung, sicherer Atemweg, Augenschutz und Schutz der ventralen Strukturen.

Ist die Heidelberglagerung dasselbe wie die normale Bauchlage?

Nein. Die Knie-Ellenbogen- beziehungsweise Heidelberglagerung ist eine spezielle Modifikation der Bauchlage. Durch veränderte Hüft- und Knieposition verändern sich Körperachse, Druckverteilung und Perfusionsverhältnisse.

Muss die Bauchlage intraoperativ erneut kontrolliert werden?

Ja. Besonders Augen, Gesicht, Arme, Druckpunkte, Leitungen und Fixierungen müssen nach relevanten Positionsänderungen beziehungsweise abhängig von Eingriff und Dauer erneut beurteilt werden.

Was bedeutet der OPHION-Schutzalgorithmus?

ERKENNEN: gefährdete Struktur bestimmen. EINORDNEN: Belastungsmechanismus identifizieren. SCHÜTZEN: passende Lagerungsmassnahme wählen. KONTROLLIEREN: überprüfen, ob die Schutzwirkung nach der Drehung, nach Tischverstellung und im intraoperativen Verlauf erhalten bleibt.

Fachlicher Hinweis: Diese Seite vermittelt die Bauchlage als strukturierte, praxisorientierte Grundlogik. Die konkrete Durchführung richtet sich nach Patient, Eingriff, Anästhesie, OP-Tisch, Kopfpositionierung, Lagerungssystem, Herstellerangaben sowie den geltenden lokalen Standards und SOPs. Spezifische Systeme und Modifikationen wie Jackson-Tisch, Wilson-Rahmen, Karbontisch, Knie-Ellenbogen- beziehungsweise Heidelberglagerung benötigen zusätzliche system- und eingriffsspezifische Beurteilung.

Klare Algorithmen. Sicheres Handeln. Bauchlage · Prone Position · Patientenschutz · OP-Lagerung Schweiz
Nach oben scrollen