OP-Lagerungsarten · Rückenlage · Patientenschutz

Rückenlage im OP – sichere Patientenlagerung von Kopf bis Fuss

Die Rückenlage im OP gehört zu den wichtigsten Grundpositionen der OP-Lagerungsarten . Der Patient liegt mit der dorsalen Körperseite auf dem OP-Tisch. Entscheidend sind eine möglichst physiologische Körperausrichtung, sichere Arm- und Beinpositionen, Schutz vor Druck-, Nerven- und Weichteilschäden sowie ein freier operativer Zugang.

Rückenlage im OP – kurz erklärt

Kopf, Rumpf, Becken und Beine werden in Rückenlage möglichst achsgerecht und stabil positioniert. Die Arme können je nach Eingriff, Anästhesiezugang und technischem Setup angelagert oder auf Armauflagen ausgelagert werden. Besonders kontrolliert werden Kopf, Schultergürtel, Ellenbogen, Sakrum, Kniekehle, Fibulaköpfchen und Fersen.

Rückenlage im OP auf einem Operationstisch – sichere Patientenlagerung OPHION
OPHION · Rückenlage

Rückenlage visuell verstehen

Die Abbildung zeigt die Rückenlage als Grundposition der perioperativen Patientenlagerung. Die konkrete Durchführung wird an Patient, Eingriff, Operationsgebiet, Anästhesie, OP-Tisch und technische Anforderungen angepasst.

00 · Vorbereitung

Sichere Rückenlage beginnt vor der Positionierung

Vor der Lagerung müssen Eingriff, Operationsseite, Operationsregion, notwendige Tischmodule, Lagerungshilfen, Bildgebung und individuelle Einschränkungen des Patienten berücksichtigt werden. Passende OP-Tische, Lagerungshilfen und Zubehör werden vor der endgültigen Positionierung vorbereitet.

Eingriff → OP-Region → Patient → OP-Tisch → Arme + Beine → gefährdete Strukturen → Sicherung → OP-Zugang → Endkontrolle
1
Eingriff verstehen Welche Region und welche Seite werden operiert?
2
Patient beurteilen Beweglichkeit, neurologische Defizite, Kontrakturen und individuelle Risiken berücksichtigen.
3
Setup vorbereiten Tischmodule, Armauflagen, Knierolle, Fersenfreilagerung, Polster und Sicherung vorbereiten.
4
Risiken antizipieren Druck, Zug, Scherung, Nervenschäden, Perfusion, Feuchtigkeit und Operationsdauer mitdenken.

Patient schützen. OP-Zugang ermöglichen.

Eine sichere Rückenlage verbindet anatomisch möglichst physiologische Positionierung mit dem notwendigen chirurgischen Zugang. Die Lagerung soll unnötigen Druck, Nervenzug, Gelenkfehlstellungen, Gefässkompression und Hautbelastung vermeiden, ohne den Eingriff oder die Anästhesie zu behindern.

Patient schützen Haut, Weichteile, Nerven, Gefässe, Gelenke und Muskulatur berücksichtigen.
OP-Gebiet zugänglich Zugang schaffen, ohne unnötige Extrempositionen zu erzeugen.
Technik einplanen Instrumente, Bildgebung, Anästhesiezugänge und Geräte benötigen Freiraum.
Schutz → Zugänglichkeit → Stabilität → Kontrolle
01 · Definition

Was ist die Rückenlage im OP?

Die dorsale Körperseite liegt auf dem OP-Tisch

Kopf und Wirbelsäule werden möglichst achsgerecht, das Becken stabil und beide Beine möglichst parallel beziehungsweise entsprechend dem geplanten Eingriff positioniert. Die genaue Längsposition, Armstellung und Tischkonfiguration richten sich nach Operationsregion, Anästhesie, OP-Tisch und technischem Setup.

02 · Position auf dem OP-Tisch

Die Operationsregion bestimmt die Längsposition

Rückenlage bedeutet nicht, dass jeder Patient an derselben Stelle des OP-Tisches liegt. Die Längsposition richtet sich insbesondere nach Operationsgebiet, Tischsegmenten, Gelenken des OP-Tisches, Bildgebung und benötigtem Arbeitsraum.

Grundlogik der Patientenpositionierung nach Operationsregion in Rückenlage
OP-Region Grundlogik Wichtige Überlegung
Kopf / Hals Position so wählen, dass Kopf- und Halsregion sicher zugänglich bleiben. Chirurgischen Zugang, Atemweg und Anästhesiezugänge gemeinsam berücksichtigen.
Thorax / Abdomen Körperregion passend zu Tischsegment und geplanter Tischbewegung ausrichten. Flexion, Extension, Trendelenburg oder Antitrendelenburg bereits vorab mitdenken.
Arm / Hand Operativen Arm vollständig auf geeigneter Armauflage unterstützen. Schulterabduktion, Ellenbogenposition und Nervenschutz beachten.
Becken / Hüfte Position abhängig von Eingriff, Implantaten und Bildgebung. Tischgelenke, Beinsegmente und C-Bogen-Zugang berücksichtigen.
Oberschenkel Patient entsprechend dem benötigten Zugang und der Bildgebung positionieren. Keine Extremität ohne vollständige Unterstützung.
Unterschenkel / Fuss Operationsregion möglichst günstig zum Fussende ausrichten. Beinachse, Fersenfreilagerung und technische Zugänglichkeit erhalten.
03 · Arme

Arm ausgelagert oder angelagert?

Die Armposition wird nach Eingriff, OP-Feld, Anästhesiezugängen und technischem Setup gewählt. Entscheidend sind vollständige Unterstützung, Vermeidung von lokalem Druck und möglichst geringe Nervenzugspannung.

Arm ausgelagert

Vollständig unterstützt auf gepolsterter Armauflage
  • Schulterabduktion unter 90° halten. 90° ist keine Zielposition.
  • Kopf und Halswirbelsäule möglichst achsgerecht und ohne unnötige Rotation oder Seitneigung.
  • Ellenbogen leicht flektieren und vollständig polstern.
  • Ellenbogen möglichst nicht unterhalb des Schulterniveaus lagern.
  • Unterarm und Hand vollständig unterstützen; Finger nicht über die Armauflage hängen lassen.
  • Hand möglichst nicht unterhalb des Ellenbogenniveaus lagern.
  • Handgelenk möglichst neutral positionieren.
  • Bei geringerer Abduktion kann eine Pronationsstellung, bei grösserer Abduktion eine Supinationsstellung des Unterarms sinnvoll sein. Entscheidend bleibt der Schutz des medialen Ellenbogens.
Plexus brachialis
Gefährdung insbesondere durch zu starke Armabduktion, Zug am Schultergürtel oder ungünstige Kopf-/Halsposition.
N. ulnaris
Direkte Kompression am medialen Ellenbogen und extreme Ellenbogenstellung vermeiden.
N. radialis
Keine lokale Kompression am dorsolateralen Oberarm durch Kante, Schiene oder Zubehör.
N. medianus
Übermässige Längsspannung durch ungünstige Kombination aus Schulterposition, Ellenbogenextension und Handgelenksüberstreckung vermeiden.

Arm angelagert

Sicher innerhalb der Tischkontur positioniert
  • Arm vollständig innerhalb der sicheren Tischkontur halten.
  • Schulter und Oberarm nicht durch Seitenschiene, Zubehör oder Patientenkörper komprimieren.
  • Ellenbogen polstern und Hyperextension beziehungsweise extreme Flexion vermeiden.
  • Unterarm und Hand entsprechend dem Lagerungsstandard sicher fixieren und vollständig unterstützen.
  • Hand und Finger vor Quetschung bei Tisch- oder Segmentbewegungen schützen.
  • Leitungen, Kabel und Sensoren dürfen keinen lokalen Druck erzeugen.
N. ulnaris
Medialen Ellenbogen konsequent vor direktem Druck schützen.
N. radialis
Seitliche oder dorsolaterale Kompression des Oberarms vermeiden.
N. medianus
Unphysiologische Gelenkstellung und vermeidbare Längsspannung vermeiden.
Hand / Finger
Keine Quetschung zwischen Patient, Tisch und Zubehör.
Praxispunkt: Blutdruckmanschette

Die Blutdruckmanschette korrekt am Oberarm positionieren und nicht unnötig weit distal in Richtung Ellenbeuge verrutschen lassen. Dauerhafte oder wiederholte lokale Kompression von Weichteilen und neurovaskulären Strukturen soll vermieden werden. Nach der endgültigen Armposition und bei längeren Eingriffen den Sitz erneut kontrollieren.

04 · Tischneigung

Trendelenburg und Antitrendelenburg

Eine Tischneigung verändert die Wirkung der Schwerkraft und damit die Rutschtendenz des Patienten. Sicherung und Kontaktstellen müssen deshalb zur geplanten Neigung passen. Mehr dazu unter Schwerkraft & Druck bei der OP-Lagerung .

Trendelenburg

  • Rutschrichtung zum Kopfende vor der Neigung berücksichtigen.
  • Geeignete nicht rutschende Unterlage oder eine zum Setup passende Vakuumlagerung verwenden.
  • Sicherung an Neigungsgrad und Eingriff anpassen.
  • Punktuelle Belastung durch Schulterstützen vermeiden.
  • Wenn Schulterstützen erforderlich sind, gepolstert und anatomisch korrekt positionieren.
  • Kombination aus Schulterstütze, ausgeprägter Kopftieflage und Armabduktion besonders kritisch hinsichtlich Plexus-brachialis-Belastung beurteilen.
  • Nach Neigungsänderung Kopf, Schultern, Arme, Gurte und Druckstellen erneut kontrollieren.

Antitrendelenburg

  • Rutschrichtung zum Fussende bereits vor der Neigung berücksichtigen.
  • Nicht rutschende Unterlage beziehungsweise geeignete Sicherung verwenden.
  • Wenn ein Fussbrett verwendet wird, grossflächig und gepolstert sichern.
  • Fersen dürfen trotz Sicherung nicht unter punktuelle Druckbelastung geraten.
  • Gurte, Füsse, Sprunggelenke und Kontaktstellen nach Tischbewegung erneut kontrollieren.
05 · Gefährdete Strukturen · OPHION-Schutzalgorithmus

Lagerungsrisiken systematisch erkennen

Auch eine scheinbar einfache Rückenlage kann durch langanhaltenden Druck, Nervenzug, harte Kontaktstellen, Fixierungen, Scherkräfte, Feuchtigkeit oder unphysiologische Gelenkstellungen zu Lagerungsschäden führen.

Haut Druck · Reibung · Scherung · Feuchtigkeit
Weichteile / Muskeln Druck · Dehnung · lokale Kompression
Nerven Kompression · Zug · Überdehnung
Gefässe / Perfusion Kompression · Einschnürung · Stauung
Gelenke Fehlstellung · Hyperextension · Rotation
Der OPHION-Schutzalgorithmus
1
ERKENNEN Welche Struktur ist gefährdet? Haut, Weichteil, Nerv, Gefäss oder Gelenk?
2
EINORDNEN Welcher Mechanismus wirkt? Druck, Zug, Kompression, Scherung, Fehlstellung oder Einschnürung?
3
SCHÜTZEN Was reduziert die Belastung? Freilagern, Druck verteilen, polstern, Position korrigieren, Gelenkstellung anpassen oder Fixierung verändern.
4
KONTROLLIEREN Ist die Schutzwirkung erhalten? Nach Tischbewegung, Neigung, Repositionierung und während längerer Eingriffe erneut prüfen.
Struktur → Mechanismus → Schutzmassnahme → Kontrolle
06 · Gefährdete Strukturen im Detail

Rückenlage von Kopf bis Fuss kontrollieren

Besonders relevant sind knöcherne Prominenzen, oberflächlich verlaufende Nerven, die Armposition, Fixierungen und alle Kontaktstellen. Nicht jede genannte Struktur ist in jeder Rückenlage gleich stark gefährdet: das individuelle Risiko hängt von Patient, Dauer, Eingriff und konkretem Setup ab.

Gefährdete anatomische Strukturen, Gefahrenmechanismen und Schutzmassnahmen bei der Rückenlage im OP
Struktur / Region Gefährdet Gefahrenmechanismus Schutzmassnahme Wirkprinzip
Hinterkopf / Ohr Haut Weichteile Langanhaltender fokaler Druck durch Kopfauflage oder ungünstige Kopfposition. Geeignete Kopfauflage verwenden, Kopf achsgerecht lagern und Ohren beziehungsweise lokale Kontaktstellen druckfrei kontrollieren. Gleichmässige Unterstützung reduziert lokale Druckspitzen.
Kopf / Halswirbelsäule Gelenke Muskeln Nerven Unnötige Flexion, Extension, Rotation oder Seitneigung. Kopf und Wirbelsäule möglichst achsgerecht und an die individuelle Anatomie angepasst lagern. Reduziert Gelenkbelastung, Muskelspannung und mechanische Nervenzugspannung.
Scapulae / Schulterrücken Haut Weichteile Längerer Flächendruck, asymmetrische Position oder harte Gegenstände unter dem Patienten. Rumpf gerade und flächig unterstützen. Unterlage frei von Kabeln, Falten und Gegenständen halten. Gleichmässige Auflage reduziert lokale Druckspitzen.
Schulter / Hals-Schulter-Übergang Plexus brachialis Zu starke Armabduktion, Schulterzug, abgesunkener Arm oder ungünstige Kopf-/Halsposition. Armabduktion unter 90° halten, Kopf achsgerecht positionieren, Arm vollständig unterstützen und Schulterzug vermeiden. Reduziert mechanische Zugspannung auf den Plexus brachialis.
Dorsolateraler Oberarm N. radialis Direkter Druck durch Tischkante, Seitenschiene, Armauflage oder Zubehör. Oberarm vollständig unterstützen und harte Kontaktstellen vermeiden. Verhindert fokale Kompression des Nervs am Humerus.
Medialer Ellenbogen N. ulnaris Haut Direkter Druck im Bereich des medialen Ellenbogens beziehungsweise Sulcus n. ulnaris. Ellenbogen grossflächig polstern, lokale Druckpunkte vermeiden und Unterarmstellung an die Armposition anpassen. Reduziert Kompression des oberflächlich verlaufenden Nervs.
Ellenbeuge / Unterarm / Handgelenk N. medianus Gelenke Zug durch ungünstige Kombination aus Schulterabduktion, Ellenbogenextension und Handgelenksüberstreckung oder lokale Kompression. Arm vollständig unterstützen, Ellenbogen leicht flektieren und Handgelenk möglichst neutral halten. Reduziert Längsspannung und lokale Kompression.
Hand / Finger Haut Nerven Gefässe Quetschung zwischen Patient, OP-Tisch, Seitenschiene oder beweglichen Segmenten. Hand vollständig unterstützt und sicher innerhalb der Tischkontur positionieren. Finger vor jeder Tischbewegung kontrollieren. Verhindert mechanische Kompression von Gewebe, Nerven und Gefässen.
Rücken Haut Weichteile Falten, Leitungen, Kabel, harte Gegenstände, Feuchtigkeit oder ungleichmässige Auflage. Unterlage glatt, trocken und frei von Gegenständen halten. Reduziert lokale Druckpunkte, Reibung und Scherkräfte.
Sakrum Haut Weichteile Langanhaltender Druck über einer knöchernen Prominenz, verstärkt durch individuelle Risikofaktoren. Druckverteilung optimieren, geeignete Unterlage verwenden und patientenspezifisches Dekubitusrisiko berücksichtigen. Reduziert kontinuierliche lokale Gewebebelastung.
Becken / Gesäss Haut Weichteile Druck und zusätzliche Scherkräfte bei Rutschen oder Verschieben. Becken stabil und flächig positionieren. Unnötiges Rutschen vermeiden. Stabile flächige Auflage reduziert Druckspitzen und Scherung.
Knie / Kniekehle Gelenke Gefässe Nerven Hyperextension oder direkte punktuelle Kompression in der Kniekehle. Knie leicht flektieren. Knierolle so positionieren, dass die Kniekehle nicht fokal komprimiert wird. Reduziert Gelenkspannung und vermeidet unnötige Kompression neurovaskulärer Strukturen.
Fibulaköpfchen N. fibularis communis Der Nerv verläuft am Fibulaköpfchen oberflächennah. Druck kann durch Polster, Zubehör, Fixierungen oder ungünstige Beinstellung entstehen. Fibulaköpfchen konsequent frei von fokalem Druck halten. Lagerungshilfen dürfen dort nicht enden oder drücken. Verhindert direkte Kompression des oberflächlich verlaufenden Nervs.
Unterschenkel Haut Gefässe Einschnürende Fixierung, punktuelle Auflage oder Druck durch Zubehör. Gurte grossflächig und nicht einschnürend anlegen. Harte Kontaktstellen vermeiden. Reduziert Gewebekompression und vermeidbare Perfusionsbeeinträchtigung.
Fersen Haut Weichteile Kontinuierlicher lokaler Druck über dem Calcaneus. Fersen konsequent freilagern beziehungsweise eine Lagerungshilfe verwenden, die den Calcaneus druckfrei hält. Freilagerung verhindert kontinuierliche Druckbelastung über der knöchernen Prominenz.
Gurte / Fixierungen Haut Gefässe Nerven Zu hohe Spannung, schmaler Kontakt, ungünstiger Verlauf oder Verschiebung nach Tischbewegung. Sicher, aber nicht einschnürend fixieren. Nach Tischbewegung, Neigung und Repositionierung erneut kontrollieren. Erhält Stabilität, ohne unnötige fokale Kompression.
07 · Haut & Feuchtigkeit

Druck ist nicht der einzige Mechanismus

Feuchtigkeit, Reibung und Scherkräfte können die Haut zusätzlich belasten. Deshalb gehört die Kontrolle der Unterlage zur Patientenlagerung.

Unterlage trocken, glatt und frei?

Keine Falten, feuchten Tücher, Kabel, Schläuche oder harten Gegenstände unter dem Patienten belassen. Desinfektions-, Spül- oder andere Flüssigkeiten sollen sich nicht unter Patient oder Polstern sammeln.

08 · Wärmeerhalt

Wärmeverlust von Beginn an begrenzen

Der Patient soll nur so weit exponiert werden, wie es für den Eingriff erforderlich ist. Wärmeerhalt und aktive Wärmung werden an Patient, Eingriff, Anästhesie und lokalen Standard angepasst.

OP-Gebiet Nur notwendige Körperregion freilegen.
Körper bedecken Nicht benötigte Regionen warm halten.
Aktive Wärmung Je nach Risiko und Eingriff geeignete Wärmesysteme einsetzen.
Trocken halten Nasse Unterlagen und Flüssigkeitsansammlungen vermeiden.
09 · Rückenlagen-Logik

Fünf Bereiche besonders konsequent kontrollieren

1 · Kopf Achsgerechte HWS, Hinterkopf und Ohren druckarm.
2 · Arme / Nerven Plexus brachialis, N. ulnaris, N. radialis und N. medianus vor Zug und Druck schützen.
3 · Sakrum Kontinuierlichen Druck möglichst gleichmässig verteilen.
4 · Fibulaköpfchen N. fibularis communis frei von fokalem Druck halten.
5 · Fersen Calcaneus konsequent druckfrei lagern.
10 · Endkontrolle

OPHION Rückenlage-Check

Die endgültige Kontrolle erfolgt systematisch von Kopf bis Fuss. Nach relevanter Tischbewegung, Neigung oder Repositionierung müssen betroffene Kontaktstellen erneut geprüft werden.

Kopf / Ohr → HWS → Schulter / Plexus → Arme → Ellenbogen → Hände → Rücken → Sakrum → Kniekehle → Fibulaköpfchen → Fersen → Fixierung → OP-Zugang
Kopf & Hals Achsgerecht, stabil und ohne fokalen Druck?
Schulter / Plexus Armabduktion unter 90° und keine vermeidbare Zugspannung?
Ellenbogen Gepolstert, N. ulnaris ohne fokalen Druck?
Hand / Finger Vollständig unterstützt und nirgends eingeklemmt?
Rücken / Sakrum Unterlage glatt, trocken und frei von Gegenständen?
Knie / Fibulaköpfchen Knie leicht flektiert, Kniekehle und Fibulaköpfchen ohne fokalen Druck?
Fersen Calcaneus konsequent freigelagert?
Sicherung & OP-Zugang Stabil, nicht einschnürend und operativer Zugang frei?

OPHION-Merksatz

Eingriff → OP-Gebiet → Patient → Tisch → Kopf/HWS → Arme/Nerven → Knie/Fibulaköpfchen → Fersen freilagern → Fixierung → Druck + Zug beurteilen → OP-Zugang → Ganzkörperkontrolle

Rückenlage bedeutet nicht nur „Patient liegt auf dem Rücken“ . Sie bedeutet, den gesamten Patienten möglichst achsgerecht, druckarm, nervenschonend und stabil zu positionieren, während gleichzeitig der erforderliche operative Zugang erhalten bleibt.

OPHION Patientenschutz
1
ERKENNEN Welche anatomische Struktur ist gefährdet?
2
EINORDNEN Druck, Zug, Scherung, Kompression oder Fehlstellung?
3
SCHÜTZEN Freilagern, unterstützen, Druck verteilen, Position oder Fixierung anpassen.
4
KONTROLLIEREN Nach Bewegung und im Verlauf erneut beurteilen.

Häufige Fragen zur Rückenlage im OP

Was ist die Rückenlage im OP?

Bei der Rückenlage liegt die dorsale Körperseite auf dem OP-Tisch. Kopf und Wirbelsäule werden möglichst achsgerecht, Arme und Beine entsprechend den Anforderungen des Eingriffs sicher positioniert.

Welche Druckstellen sind bei der Rückenlage wichtig?

Besonders kontrolliert werden Hinterkopf beziehungsweise Kopfauflage, Schulter-/Scapularegion, Ellenbogen, Sakrum, Fibulaköpfchen und Fersen. Zusätzlich müssen alle Kontaktstellen von Zubehör, Gurten und technischen Komponenten beurteilt werden.

Welche Nerven sind bei ausgelagerten Armen relevant?

Besonders wichtig sind Plexus brachialis und N. ulnaris. Je nach Druckstelle und Gelenkstellung können auch N. radialis und N. medianus gefährdet sein. Entscheidend sind begrenzte Armabduktion, vollständige Unterstützung und Vermeidung lokaler Kompression.

Warum soll die Schulterabduktion unter 90° bleiben?

Mit zunehmender Abduktion kann die mechanische Spannung auf den Plexus brachialis steigen. Deshalb wird der Arm in Rückenlage möglichst unter 90° abduziert und vollständig unterstützt.

Warum ist der N. ulnaris besonders relevant?

Der N. ulnaris verläuft am medialen Ellenbogen oberflächennah. Direkte Kompression und ungünstige Ellenbogenpositionen können deshalb zu einer Belastung des Nervs führen.

Warum muss das Fibulaköpfchen kontrolliert werden?

Der N. fibularis communis verläuft am Fibulaköpfchen sehr oberflächennah. Lagerungshilfen, Zubehör oder Fixierungen dürfen dort keinen fokalen Druck erzeugen.

Warum sollen die Fersen frei liegen?

Über dem Calcaneus kann bei längerer Auflage ein hoher lokaler Druck entstehen. Deshalb werden die Fersen so gelagert, dass der Calcaneus möglichst druckfrei bleibt.

Warum wird das Knie leicht flektiert?

Eine leichte Flexion unterstützt eine physiologischere Beinposition. Gleichzeitig darf eine Knierolle keine fokale Kompression in der Kniekehle oder am Fibulaköpfchen erzeugen.

Warum muss die Unterlage trocken sein?

Feuchtigkeit kann zusammen mit Druck, Reibung und Scherung die Hautbelastung erhöhen. Unterlage und Polster sollen deshalb trocken, glatt und frei von Gegenständen bleiben.

Welche Bedeutung hat die Tischneigung?

Trendelenburg und Antitrendelenburg verändern die Richtung der Schwerkraft und damit die Rutschtendenz. Sicherung, Schulterregion, Arme, Gurte, Füsse und Druckstellen müssen nach relevanten Neigungsänderungen erneut kontrolliert werden.

Was bedeutet der OPHION-Schutzalgorithmus?

ERKENNEN bedeutet, die gefährdete anatomische Struktur zu bestimmen. EINORDNEN beschreibt den Belastungsmechanismus. SCHÜTZEN bedeutet, eine gezielte Massnahme auszuwählen. KONTROLLIEREN stellt sicher, dass der Schutz auch nach Bewegungen und im weiteren Operationsverlauf erhalten bleibt.

Fachlicher Hinweis: Diese Seite vermittelt die Rückenlage als strukturierte, praxisorientierte Lernlogik. Die konkrete Durchführung richtet sich immer nach Patient, Eingriff, Anästhesie, OP-Tisch, Lagerungshilfen, Herstellerangaben sowie den geltenden lokalen Standards und SOPs.

Klare Algorithmen. Sicheres Handeln. Rückenlage · Patientenschutz · OP-Lagerung Schweiz
00A · Eigener Ablauf

Ein fester Rundgang macht Lagerung einfacher

Gute Vorbereitung ist die halbe Lagerung. Lege dir vor Beginn eine feste Reihenfolge fest und arbeite möglichst immer nach demselben Prinzip.

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Rund um den Patienten – nicht kreuz und quer

Starte zum Beispiel am Kopf und arbeite eine Seite nach unten, dann über das Fußende auf der anderen Seite wieder zurück. Die Richtung kann auch umgekehrt sein. Wichtig ist dein System – nicht die Laufrichtung.

DEIN
SYSTEM
eine feste Reihenfolge · jedes Mal gleich
START Kopf oder anderer Startpunkt
SEITE 1 kontrolliert nach unten
FUSSENDE weiter im Kreis
SEITE 2 zurück nach oben
→
→
→
→
01 · Variante: Start am Kopf

Kopf → Schulter → Arm → Rumpf → Becken → Bein → Fuß → auf der anderen Seite zurück.

02 · Richtung umkehren

Der gleiche Rundgang kann spiegelverkehrt durchgeführt werden. Entscheidend ist die feste Reihenfolge.

03 · Kopfbereich nicht erreichbar?

Am Fußende beginnen und den Rundgang von dort konsequent fortsetzen.

04 · Hilfsmittel vorher bereitlegen

Polster, Armstützen, Gurte, Stützen, Lagerungskissen und benötigte Tischmodule vor Beginn vorbereiten.

Was bringt dir ein fester Rundgang?

Weniger Wege · weniger Unterbrechungen · weniger vergessene Hilfsmittel · weniger ausgelassene Kontrollpunkte.

✓
Praxis-Tipp: Mach dir dein eigenes System

Entwickle einen Ablauf, der für dich logisch funktioniert, und behalte ihn möglichst bei. Ein eigenes festes System spart Wege, erleichtert die Arbeit und hilft dir, weniger zu vergessen.

OPHION · System statt Zufall
Vorbereitung → Startpunkt → Rundgang → nichts überspringen → Endkontrolle
Die Richtung ist frei – die Konsequenz ist entscheidend.
Fachliche Grundlage

Weiterbildung, OP-Praxis und Fachliteratur

Die Inhalte von OPHION entstehen aus der Verbindung von fachlicher Weiterbildung, langjähriger praktischer Erfahrung in der Operationslagerung und der kontinuierlichen Auswertung einschlägiger Fachliteratur.

Fachliche Weiterbildung Fachkurs Operationslagerung mit erfolgreich absolvierten Fachprüfungen bei HOCH Health Ostschweiz / Kantonsspital St.Gallen, Standort St.Gallen.
Praktische Erfahrung Rund 7 Jahre intensive praktische Tätigkeit im Operationsbereich eines Kantonsspitals mit Schwerpunkt Patientenlagerung und OP-Abläufe.
Fachliche Quellenbasis Fachliteratur zur Operationslagerung, Schulungsunterlagen, aktuelle medizinische Fachquellen sowie lokale Standards und SOPs.
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