Steinschnittlage im OP – sichere Lithotomy Position
Die Steinschnittlage im OP, international Lithotomy Position, ist eine Modifikation der Rückenlage im OP . Die unteren Extremitäten werden in geeigneten Beinstützen angehoben und entsprechend dem notwendigen operativen Zugang in Hüft- und Kniegelenken positioniert. Sie ermöglicht insbesondere Zugang zu Becken, Perineum, urogenitalen, gynäkologischen, proktologischen und ausgewählten kolorektalen Operationsgebieten. Besondere Aufmerksamkeit benötigen Nerven, Gelenke, Druckstellen, Beinhalterkontakt, Perfusionsbedingungen und Lagerungsdauer.
Die Steinschnittlage basiert auf der Rückenlage. Beide Beine werden kontrolliert und möglichst gleichzeitig aufgenommen beziehungsweise zurückgelagert. Hüftflexion, Abduktion, Rotation und Knieflexion werden an Patient, Eingriff und Beinstützensystem angepasst. Besonders geschützt werden Fibulaköpfchen, Kniekehle, Wade, mediale Tibiakante, Hüft-/Leistenregion sowie N. fibularis communis, N. ischiadicus, N. femoralis und N. obturatorius.
Steinschnittlage visuell verstehen
Die konkrete Position der Beine hängt von Anatomie und Beweglichkeit des Patienten, Eingriff, Operationsgebiet, Beinstützensystem, OP-Tisch, Anästhesie und lokalen Standards ab. Es gibt deshalb keinen universellen Sollwinkel, der bei jedem Patienten erzwungen werden darf.
Steinschnittlage beginnt vor dem Anheben der Beine
Vor der eigentlichen Positionierung werden Operationsgebiet, benötigter Zugang, Beweglichkeit, vorhandene Hüft- oder Knieprothesen, neurologische beziehungsweise vaskuläre Risiken und das verwendete Beinstützensystem berücksichtigt. Auch eine geplante zusätzliche Tischneigung muss bekannt sein. Auswahl und Einstellung von OP-Tisch, Beinstützen und Lagerungshilfen gehören deshalb zur Vorbereitung.
Was ist die Steinschnittlage?
Kopf, Rumpf und Becken verbleiben grundsätzlich in Rückenlage. Die wesentliche Veränderung betrifft die unteren Extremitäten. Hüft- und Kniegelenke werden entsprechend dem notwendigen Zugang positioniert; die Beine werden durch ein geeignetes, korrekt eingestelltes Beinstützensystem getragen. Ziel ist ausreichender operativer Zugang ohne vermeidbare Extremstellung, Nervenkompression, Gelenkbelastung oder unnötige Beeinträchtigung der Perfusion.
Von der Rückenlage zur Steinschnittlage
Die Steinschnittlage entsteht aus einer stabilen Rückenlage. Beide unteren Extremitäten werden möglichst gleichzeitig beziehungsweise koordiniert bewegt, damit asymmetrische Belastung von Becken, LWS und Hüftgelenken vermieden wird.
Das entscheidende Prinzip ist nicht eine technisch exakt synchrone Bewegung des Beinstützensystems, sondern eine kontrollierte, möglichst gleichzeitige und symmetrische Bewegung beider unteren Extremitäten. Das gilt sowohl beim Anheben als auch beim Zurücklagern.
Zugang schaffen – Extremstellungen vermeiden
Die Beinposition wird nur so weit verändert, wie es für den Eingriff notwendig ist. Mehr Flexion, Abduktion oder Rotation bedeutet nicht automatisch einen besseren operativen Zugang, kann aber die Belastung von Nerven, Muskeln, Gelenken und Gefässen erhöhen.
Sakrum sicher auf der Tischfläche halten
Die Längsposition richtet sich nach Eingriff und benötigtem Perinealzugang. Dabei darf das Becken nicht unkontrolliert über die Tischkante verlagert werden. Sakrum und Gesäss benötigen eine stabile, druckverteilende Auflage.
Sakrum / Gesäss
- Becken mittig und stabil positionieren.
- Sakrum nicht unkontrolliert über die Tischkante hinauslagern.
- Druckverteilende Unterlage verwenden.
- Keine Falten, Kabel oder harten Gegenstände unter dem Becken.
- Scherkräfte bei Verschiebung vermeiden.
Fussende / Tischmodule
- Tischkonfiguration vor der endgültigen Beinposition planen.
- Beine vollständig unterstützen, bevor Tischmodule verändert werden.
- Hände und Finger des Patienten vor beweglichen Beinstützen beziehungsweise Tischkomponenten schützen.
- Herstellerangaben des konkreten Tisch- und Beinstützensystems beachten.
Beide Beine kontrolliert und symmetrisch positionieren
Beide Beinhalter werden entsprechend dem verwendeten System gepolstert und auf vergleichbare Höhe beziehungsweise Position eingestellt. Die Beine werden koordiniert und möglichst gleichzeitig bewegt. Die endgültige Stellung wird an die individuelle Beweglichkeit und den benötigten OP-Zugang angepasst.
Links und rechts als funktionelle Einheit betrachten
Bei ausgeprägter Hüftflexion erhöht zusätzliche Kniestreckung die Spannung entlang der ischiokruralen Strukturen und des N. ischiadicus. Deshalb werden ausgeprägte Hüftflexion und gleichzeitige Kniestreckung vermieden. Die konkrete Knieflexion richtet sich nach Patient und Beinstützensystem.
Beinstützen sollen tragen – nicht punktuell komprimieren
Die konkrete Kontaktfläche hängt vom Beinstützensystem ab. Bei Schalen- beziehungsweise Boot-Systemen müssen insbesondere Fibulaköpfchen, Fibulahals, Wade, Kniekehle, mediale Tibiakante und Fixierungen kontrolliert werden. Kein Rand, Gurt oder Metallteil darf fokalen Druck erzeugen.
Welche Nerven sind in der Steinschnittlage besonders relevant?
Das Nervenrisiko entsteht nicht durch die Steinschnittlage als Begriff, sondern durch konkrete Kombinationen aus Druck, Abduktion, Hüftflexion, Aussenrotation, Kniestreckung und Kontakt mit dem Beinstützensystem.
Kompressionsrisiko
- N. fibularis communis: Druck am Fibulaköpfchen / Fibulahals.
- N. saphenus: möglicher Druck an medialer Tibia abhängig von Halter und Fixierung.
- N. tibialis: mögliche Kompression bei fokalem Druck in der Kniekehle.
Zug- / Stellungsrisiko
- N. ischiadicus: Hüftflexion kombiniert mit Kniestreckung.
- N. femoralis: extreme Hüftflexion, Abduktion und Aussenrotation.
- N. obturatorius: zunehmende Abduktion erzeugt Zug; Hüftflexion beeinflusst diese Spannung.
Mit zunehmender Hüftabduktion kann die Zugspannung auf den N. obturatorius steigen. Die Hüftflexion beeinflusst diese Spannung. Deshalb gilt nicht einfach „möglichst wenig Hüftflexion“, sondern: nur notwendige Abduktion, patientengerechte Hüftflexion und keine erzwungene Extremstellung.
Steinschnittlage ist nicht French-Position
Die Beine werden angehoben und in geeigneten Beinhaltern unterstützt. Hüft- und Kniegelenke befinden sich entsprechend dem Zugang in Flexion; zusätzlich bestehen Abduktion und je nach Setup Rotation.
Die Beine bleiben grundsätzlich gestreckt, sind voneinander getrennt und liegen auf separaten Beinplatten beziehungsweise Lagerungsflächen. Weitere Details: French-Position im OP .
Steinschnittlage systematisch beurteilen
In der Steinschnittlage entstehen gleichzeitig Druck-, Zug-, Gelenk- und Perfusionsrisiken. Entscheidend ist deshalb nicht allein die sichtbare Beinposition, sondern der Zusammenhang zwischen Anatomie, Gelenkwinkel, Beinstützenkontakt, Lagerungsdauer und Perfusionsbedingungen.
Steinschnittlage systematisch von Kopf bis Fuss kontrollieren
Nicht jede Komplikation entsteht bei jedem Beinstützensystem. Entscheidend ist, welche Struktur tatsächlich Kontakt, Zug, Kompression oder eine ungünstige Gelenkstellung erfährt.
| Struktur / Region | Gefährdet | Gefahrenmechanismus | Schutzmassnahme | Wirkprinzip |
|---|---|---|---|---|
| Hinterkopf / HWS | Haut HWS | Langanhaltender Hinterkopfdruck oder unnötige Flexion, Extension beziehungsweise Rotation. | Kopf druckverteilend und möglichst neutral positionieren. | Reduziert lokalen Gewebedruck und unnötige Belastung der HWS. |
| Schulter / Arm | Plexus brachialis Schultergelenk | Zu grosse Schulterabduktion, Zug oder ungünstige Kopf-/Schulterposition. | Arm vollständig unterstützen und unnötige Schulterabduktion vermeiden. | Reduziert Zug zwischen HWS, Schultergürtel und Arm. |
| Ellenbogen | N. ulnaris Haut | Direkter Druck am medialen Ellenbogen. | Ellenbogen weich lagern und harte Kontaktflächen vermeiden. | Reduziert Kompression des oberflächlich verlaufenden Nervs. |
| Hände / Finger | Haut Nerven Gefässe | Einklemmung bei Bewegung von Beinstützen, Tischteilen oder robotischem Equipment. | Hände vollständig innerhalb der sicheren Tischkontur halten. | Verhindert Quetsch- und Kompressionsverletzungen. |
| Sakrum / Gesäss | Haut Weichteile | Dauerhafter Druck, Scherung oder zu weit kaudale Beckenposition. | Sakrum ausreichend aufliegend, Becken stabil und Unterlage faltenfrei halten. | Flächige Auflage reduziert Druckspitzen und Scherung. |
| Hüfte / Leiste | N. femoralis | Vor allem extreme Kombination aus Hüftflexion, Abduktion und Aussenrotation kann den Nerv im Bereich des Leistenbandes belasten. | Extreme Hüftstellung vermeiden; Flexion, Abduktion und Rotation nur so weit wie notwendig. | Reduziert Biegung beziehungsweise mechanische Belastung des N. femoralis. |
| Mediale Becken-/Oberschenkelregion | N. obturatorius | Zunehmende Abduktion kann den Nerv auf Zug bringen. | Abduktion begrenzen und Hüftflexion passend zur notwendigen Beinposition einstellen. | Reduziert unnötige Zugspannung auf den N. obturatorius. |
| Dorsale Hüfte / Oberschenkel | N. ischiadicus | Ausgeprägte Hüftflexion kombiniert mit Kniestreckung erhöht die neurale Zugbelastung. | Extreme Hüftflexion vermeiden und Knie passend flektiert lagern. | Reduziert die Längsspannung entlang des N. ischiadicus. |
| Fibulaköpfchen / Fibulahals | N. fibularis communis | Direkter Druck durch Beinstütze, Rand, Stange oder Fixierung. | Fibulaköpfchen und Fibulahals konsequent von fokalem Druck freihalten. | Schützt den dort sehr oberflächlich verlaufenden Nerv vor Kompression. |
| Mediale Tibiakante | N. saphenus | Je nach Beinstützensystem kann ein Rand oder Gurt an der medialen Tibia komprimieren. | Mediale Tibiakante auf Kontaktstellen kontrollieren und fokalen Druck vermeiden. | Reduziert lokale Kompression oberflächlicher Strukturen. |
| Kniekehle | N. tibialis Gefässe | Fokaler Druck durch ungünstig positionierte Schale, Kante oder Fixierung. | Kniekehle frei von fokaler harter Kompression halten. | Reduziert Druck auf neurovaskuläre Strukturen der Fossa poplitea. |
| Wade / Unterschenkel | Muskeln Gefässe Haut | Punktuelle oder zirkuläre Kompression durch Schale, Gurt oder harte Kante. | Unterschenkel möglichst grossflächig tragen; Fixierungen nicht einschnürend anlegen. | Reduziert lokalen Gewebedruck und vermeidbare Perfusionsbeeinträchtigung. |
| Kniegelenk | Gelenk Nerven | Ungeeignete Kombination aus Hüftflexion und Kniestreckung beziehungsweise erzwungene Gelenkstellung. | Knie patientengerecht flektieren und vollständig unterstützen. | Reduziert Zug auf dorsale Weichteile und neurale Strukturen. |
| Fuss / Sprunggelenk | Gelenk Haut Nerven | Forcierte Fussstellung oder fokaler Kontakt mit Beinstütze beziehungsweise Gurt. | Fuss sicher und ohne unnötige Extremstellung positionieren. | Reduziert Gelenkbelastung und lokale Druckstellen. |
| Gesamter Unterschenkel | Perfusion Muskeln Gefässe | Elevation oberhalb des Herzniveaus, externe Kompression, lange Lagerungsdauer und ungünstige hämodynamische Bedingungen können gemeinsam den Perfusionsdruck reduzieren. | Beinhöhe nur so weit wie erforderlich, externe Kompression minimieren, Lagerungsdauer berücksichtigen und bei langen Eingriffen eine institutionelle WLCS-Präventionsstrategie anwenden. | Reduziert vermeidbare Faktoren, welche die Gewebeperfusion des Unterschenkels beeinträchtigen können. |
| Beinstützen / Gurte | Haut Nerven Gefässe | Zu hohe Spannung, schmale Kontaktfläche, verrutschte Polsterung oder Kontakt zur Haltestange. | Polsterung kontrollieren, Gurte nicht einschnürend und Abstand zu harten Bauteilen sicherstellen. | Stabilisiert das Bein ohne fokale Kompression. |
Selten – aber potenziell schwerwiegend
Bei längeren Operationen in Steinschnitt- beziehungsweise Lloyd-Davies-Position muss neben Nervenschäden auch das Well-Leg Compartment Syndrome berücksichtigt werden. Das Risiko entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel von Elevation, Gewebedruck, externer Kompression, Operationsdauer und hämodynamischen Bedingungen.
Vier Faktoren gemeinsam beurteilen
Je länger und höher ein Bein gelagert wird und je stärker zusätzlich externe Kompression wirkt, desto wichtiger wird eine konsequente Risikokontrolle.
Die Frage lautet nicht nur: „Ist die Position jetzt korrekt?“ sondern auch: „Wie lange wirkt diese Position bereits?“ Bei erwartbar langen pelvinen Eingriffen sollte das WLCS-Risiko bereits im Team-Briefing berücksichtigt werden.
Steinschnittlage und Trendelenburg getrennt beurteilen
Trendelenburg ist keine Definitionseigenschaft der Steinschnittlage. Sie wird bei ausgewählten laparoskopischen und robotischen Beckeneingriffen zusätzlich eingesetzt. Dadurch entstehen neue Anforderungen an Rutschschutz, Druckverteilung, Atmung, Kreislauf und Extremitätenlagerung.
Operativer Effekt
Kopf-tief-Neigung kann mobile abdominale Strukturen nach kranial verlagern und dadurch den Zugang zum kleinen Becken verbessern.
Zusätzliche Belastung
Mit der Neigung verändern sich Schwerkraft, Rutschrichtung, Scherkräfte, Druckstellen sowie respiratorische und hämodynamische Bedingungen. Mehr dazu unter Schwerkraft & Druck .
Nach relevanter Trendelenburg-Verstellung müssen Becken, Arme, Hände, Beinstützen, Kontaktstellen, Fixierungen und Rutschtendenz erneut beurteilt werden.
Bei welchen Operationen wird die Steinschnittlage verwendet?
Auch das Absenken der Beine ist ein kritischer Lagerungsschritt
Am Ende des Eingriffs werden beide unteren Extremitäten kontrolliert und möglichst gleichzeitig aus der Steinschnittlage zurückgeführt. Ein abruptes oder stark asymmetrisches Absenken wird vermieden. Vor dem Positionswechsel werden Tisch, Transferfläche und beteiligtes Team vorbereitet.
OPHION Steinschnittlage-Check
Die Kontrolle erfolgt nach endgültiger Beinposition, nach relevanter Tischverstellung und bei langen Eingriffen erneut im Verlauf.
OPHION-Merksatz:
Rückenlage
→ Beinstützen vorbereiten
→ beide Beine koordiniert aufnehmen
→ Hüfte + Knie patientengerecht einstellen
→ Abduktion nur soweit nötig
→ Fibulaköpfchen frei
→ Kniekehle ohne fokalen Druck
→ Wade + mediale Tibia kontrollieren
→ Fixierungen prüfen
→ Lagerungsdauer mitdenken
→ OP-Zugang
→ Verlaufskontrolle
→ beide Beine koordiniert zurücklagern
Der Kern der Steinschnittlage ist nicht:
„Beine hoch“
,
sondern:
den notwendigen Becken- beziehungsweise Perinealzugang schaffen,
während Nerven,
Muskeln,
Haut,
Gelenke
und Perfusionsbedingungen
möglichst wenig belastet werden.
Weiterbildung, OP-Praxis und Fachliteratur
Die Inhalte von OPHION entstehen aus der Verbindung von fachlicher Weiterbildung, mehrjähriger intensiver praktischer Erfahrung in der Operationslagerung und der kontinuierlichen Auswertung von Fachliteratur, Leitlinien und praxisrelevanten Standards.
Häufige Fragen zur Steinschnittlage im OP
Was ist die Steinschnittlage?
Die Steinschnittlage ist eine Modifikation der Rückenlage, bei der beide unteren Extremitäten angehoben und in geeigneten Beinstützen unterstützt werden. Hüft- und Knieposition richten sich nach Patient, Eingriff und verwendetem Beinstützensystem.
Müssen beide Beine gleichzeitig bewegt werden?
Beide unteren Extremitäten sollen möglichst gleichzeitig beziehungsweise koordiniert angehoben und zurückgelagert werden. Dadurch werden unnötige asymmetrische Belastungen von Becken, LWS und Hüftgelenken reduziert.
Welche Nerven sind besonders relevant?
Besonders relevant sind N. fibularis communis, N. ischiadicus, N. femoralis und N. obturatorius. Abhängig vom konkreten Kontakt mit Beinstütze und Fixierung können auch N. saphenus und N. tibialis belastet werden.
Ist N. peroneus communis dasselbe wie N. fibularis communis?
Ja. N. peroneus communis ist eine ältere beziehungsweise weiterhin verbreitete Bezeichnung. OPHION verwendet einheitlich die aktuelle anatomische Bezeichnung N. fibularis communis.
Warum ist das Fibulaköpfchen besonders wichtig?
Der N. fibularis communis verläuft im Bereich von Fibulaköpfchen und Fibulahals sehr oberflächlich. Ein Rand, Gurt oder harter Bestandteil der Beinstütze kann dort eine direkte Nervenkompression verursachen.
Warum ist starke Hüftflexion problematisch?
Ausgeprägte Hüftflexion kann zusammen mit Abduktion, Aussenrotation oder Kniestreckung unterschiedliche nervale und muskuläre Strukturen belasten. Deshalb wird keine Extremstellung gegen die individuelle Anatomie erzwungen.
Warum darf die Beinabduktion nicht unnötig gross sein?
Zunehmende Abduktion kann unter anderem die Zugbelastung des N. obturatorius erhöhen. Die notwendige Spreizung richtet sich deshalb nach dem operativen Zugang und der individuellen Beweglichkeit.
Warum wird das Knie nicht gleichzeitig stark gestreckt?
Hüftflexion in Kombination mit Kniestreckung erhöht die Spannung entlang der dorsalen Strukturen und insbesondere des N. ischiadicus. Die Knieflexion wird deshalb patientengerecht und passend zum Beinstützensystem eingestellt.
Was muss bei einer Beinstütze kontrolliert werden?
Relevant sind insbesondere Fibulaköpfchen, Fibulahals, Kniekehle, Wade, mediale Tibiakante, Sprunggelenk und alle Gurte beziehungsweise harten Bauteile. Das Bein soll stabil getragen werden, ohne fokale Kompression.
Was ist ein Well-Leg Compartment Syndrome?
Es handelt sich um eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation mit pathologisch erhöhtem Druck in Muskelkompartimenten eines nicht direkt operierten Beines. Beinhochlagerung, externe Kompression, lange Operationsdauer und ungünstige Perfusionsbedingungen können gemeinsam zum Risiko beitragen.
Warum ist die Operationsdauer relevant?
Druck, Nervenzug, Extremstellung und veränderte Perfusionsbedingungen wirken über die Zeit. Deshalb gehört die Lagerungsdauer bei längeren Eingriffen ausdrücklich zur Risikobeurteilung.
Ist Trendelenburg Bestandteil der Steinschnittlage?
Nein. Trendelenburg ist eine zusätzliche Tischneigung. Sie wird häufig bei bestimmten laparoskopischen und robotischen Eingriffen im kleinen Becken eingesetzt, muss aber hinsichtlich Schwerkraft, Rutschrichtung, Atmung und Kreislauf separat beurteilt werden.
Was bedeutet der OPHION-Schutzalgorithmus?
ERKENNEN: gefährdete Struktur bestimmen. EINORDNEN: Belastungsmechanismus identifizieren. SCHÜTZEN: gezielte Lagerungsmassnahme wählen. KONTROLLIEREN: überprüfen, ob die Schutzwirkung nach Positionsänderungen und im Operationsverlauf erhalten bleibt.
Fachlicher Hinweis: Diese Seite vermittelt die Steinschnittlage als strukturierte, praxisorientierte Grundlogik. Die konkrete Durchführung richtet sich nach Patient, Eingriff, Anästhesie, OP-Tisch, Beinstützensystem, Herstellerangaben sowie den geltenden lokalen Standards und SOPs. Bei langen pelvinen Eingriffen, ausgeprägter Beinhebung oder zusätzlichen Risikofaktoren muss die Gefahr perfusionsbedingter Komplikationen gesondert berücksichtigt werden.
